EU-Datenschutzverordnung führt zu Mailflut!

DSGVO: Ein neues Zauberwort wird wie die letzte Wutz durchs Internet getrieben. Ihr Sinn liegt darin, daß wir erfahren, wer unsere Daten hat, welche Daten das sind und in welcher Form sie aufbewahrt werden. Das ist schon deshalb ziemlich weltfremd, weil das Internet von allen möglichen Menschen freiwillig vollgeschüttet wird mit Daten aller Art: Wir können mit wenigen Mausklicks die neuesten Tätowierungen auf den abgelegensten Körperteilen sehen, die Hautkrankheiten irgendwelcher Leute, die Facebook für uns bereithält, und die unmaßgeblichen politischen, sexuellen und anderweitigen Orientierungen von Kreti und Pleti. Man braucht nur auf dem Kassenzettel eines Restaurants nach dem Namen der Kellnerin zu sehen, und nach zwei Minuten im Netz blättert sich ihr halbes Leben vor einem auf.

Ganz ehrlich, in diesem Klima des Daten-Überschäumens interessiert es vermutlich kein Schwein, ob irgendeine Firma, der man vor drei Jahren irgendetwas gemailt hat, heute noch die Daten dieses Vorgangs hat oder nicht.

Der zweite wesentliche Zweck der DSGVO liegt darin, daß man Mail-Aussendungen nur noch dann erhält, wenn man sie vorher ausdrücklich angefordert hat. Klartext: KEIN Opt-out! KEIN „mutmaßliches“ Einverständnis, nur weil man nicht reagiert! KEINE vorherige Anfrage per Email-Massenaussendung, ob man künftig Email-Massenaussendungen wünscht oder nicht. Das ist schon jetzt alles abmahnfähig!

Ich selbst habe jahrelang meine Projekte durch Massenaussendungen verbreitet. Ich habe an Zeitschriften gemailt und an Buchverlage. Und ich muß sagen: Die DSGVO schränkt in dieser Hinsicht meine Möglichkeiten sehr stark ein, ja, sie hängt mir buchstäblich das Damoklesschwert der anwaltlichen Abmahnung direkt über den Kopf. Ich habe daraus die Konsequenzen gezogen und verabschiede mich von diesem Dialoginstrument, dessen Streuverluste auch dann als eklatant hoch eingeschätzt werden müssen, wenn man sich den Luxus leistet, die EU-Apparatschiks für eine verkommene, selbstsüchtige, abgehobene und menschenfeindliche Ansammlung versnobter Technokraten zu halten.

Anders gesagt: Email-Massenaussendungen sind auch dann schlecht, wenn man das in Brüssel so sieht. Bei der Gurkenkrümmung war das ja eher nicht der Fall.

Aber statt daß sich diese simple Erkenntnis durchsetzen würde, tritt das Gegenteil ein: Alle möglichen Firmen, mit denen man jemals irgendetwas zu schaffen hatte, krabbeln nun aus ihren Löchern und beeilen sich, vor dem Stichtag schnell noch mein Einverständnis einzuheischen, daß alles so bleibt wie bisher. Wie komme ich dazu?

Ich selbst habe meine Angebote so umgestellt, daß man sie sich im Internet ganz leicht abholen kann, indem man eine meiner Angebotsseiten abonniert. Dort veröffentliche ich die Dinge, die ich bisher als Massen-Emails ausgesendet habe, in Form eines Blogs. Diesen Blog kann man abonnieren. Wer ihn abonniert, bekommt also die Vorschläge, und wer ihn nicht abonniert, der bekommt sie nicht. So einfach kann die Welt sein.

Und nebenbei muß ich nun nicht mehr regelmäßig die Mühen dieser Aussendungen stemmen, bei denen nicht selten nichts weiter zurückgekommen ist als dreimal „REMOVE“.

Wie schön wäre die Welt, wenn das auch jene Firmen so sehen würden, die mich jetzt mit ihrem Ankündigungen und Einladungen vollmüllen.

Aus der Zauberküche des Publizisten.

Im Verlag Königsfurt-Urania erscheint die dritte meiner Lenormand-Neuveröffentlichungen. Die Kartenbilder gehen unverkennbar auf die bereits vor einigen Jahren neu veröffentlichten Karten zurück, die auch schon in den 80er Jahren im Verlag für die Frau in der DDR in einer besonders hochwertigen handkolorierten Ausgabe erschienen waren. Wer die Karten direkt miteinander vergleicht, wird bei allen Parallelen der Abbildungen einige deutliche Unterschiede feststellen. Auf diese gehe ich in diesem kleinen Arbeitsbericht ein. Das Fazit sei jedoch vorweggenommen: Ich selbst halte diese Neuedition für die beste, ansprechendste und authentischste Wiedergabe dieser historischen Karten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Es war 1994 auf der Leipziger Buchmesse, als ich dieses wundervolle Spiel in der Holzbox für mich entdeckte. Damals kam ich auch erstmals mit dem Thema Lenormand in Berührung. Es war die Zeit kurz nach der Wende, der Verlag für die Frau machte einige Eigentümerwechsel und Umstrukturierungen durch. Bald danach etablierte er sich auf seinem Segment als stabiler Anbieter sehr schöner Bücher.

Ich bin sehr froh darüber, mit diesem Verlag für die Neuausgabe dieser schönen Karten eine Kooperation eingegangen zu sein. Diese Karten wurden vor etlichen Jahren in einer hübschen blauen Kassette veröffentlicht, zusammen mit der historischen Anleitung und einem kleinen, fest gebundenen Begleitbuch, bei dem ich mir den Spaß gemacht habe, es meinem Sohn in altägyptischen Hieroglyphen zu widmen. Allerdings wurden für diese Neuausgabe schon damals nur die zweitbesten Kartenbilder verwendet. Ich hatte Karte für Karte einzeln gescannt, am Computer aufwendig nachbearbeitet und farblich aneinander angeglichen. Dabei unterscheidet sich der Rand außerhalb der schwarzen Begrenzungslinie farblich vom Rest der jeweiligen Karte, was zwar nicht weiter auffällt, mich aber immer sehr gestört hat. Leider wurde die bessere Variante, die diesen Fehler nicht aufweist, vom Verlag nicht verwendet.

Parallel dazu habe ich auch mit Hintergrundtexturen experimentiert. Für die hier verwendeten Kartenabbildungen habe ich ein besonders schönes Hadernpapier gescannt, und zwar für jede Karte von einer anderen Stelle des Blatts, damit sich nicht die identische Textur auf jeder Karte findet. Diese Papier-Scans habe ich dann mit meinen fertigen Kartenscans zusammengerechnet. Das Ergebnis sind Kartenbilder, die vor allem durch die interessante Papiertextur überaus ansprechend und „wie echt“ wirken – obwohl dies nicht den Originalkarten entspricht.

Allerdings halte ich diesen kleinen Kunstgriff für völlig legitim. Die Karten wurden in ihrer Entstehungszeit zunächst im Verfahren des Kupferstichs, später in dem der Lithographie und in anderen Druckverfahren hergestellt. Die hier veröffentlichten Karten waren seinerzeit lithographiert. Sie waren damals wahrscheinlich schablonenkoloriert. Welches Papier man aber verwendet hat, ist heute nicht mehr für jedes gedruckte Exemplar nachzuweisen. Es kann daher gut möglich sein, daß diese Karten auch auf Papier mit einer etwas deutlicheren Textur gedruckt worden sind. An den Bildern und Symbolen ändert sich dadurch nichts, nicht einmal an der handwerklich meisterhaften Kolorierung der DDR-Ausgabe, die hier ebenfalls wiedergegeben ist.

So gesehen, wurden die Karten gewissermaßen „restauriert“, siw wurden in einen hypothetischen früheren Zustand zurückversetzt. Hierbei kam es mir als Herausgeber nicht ausschließlich auf wissenschaftlich belegbare Fakten, sondern auch auf das Erspüren des „Geistes“ dieser Karten an.

Ich glaube, das Ergebnis kann sich sehen lassen.

http://www.koenigsfurt-urania.com/shop/produktansicht/altes-lenormand.html

Der miesere Rassismus.

Die mir durch familiäre Bande besonders nahestehende Linda L. erzählte mir, sie habe mit dem Auto einen Mann mitgenommen, der am Straßenrand stand. Als er im Wagen saß und die Fahrt weiterging, meinte er nach einer Weile, sie habe ihn doch nur deshalb mitgenommen, weil er schwarz sei, oder? Sie dachte nach, und innerlich mußte sie es einräumen: Ja, das war der Grund.

Wir lesen und hören zur Zeit sehr viel vom Rassismus. Wer sich Sorgen darüber macht, ob das klappen kann mit der Einwanderung im großen Stil, deren problematische Begleiterscheinungen in jedem bundesdeutschen Landkreis sichtbar sind, der gilt als Rassist. Wer für Grenzkontrollen eintritt, in jedem Land der Welt (bis auf eines) eine banale Selbstverständlichkeit und Grundvoraussetzung für Rechtsstaat, Sozialstaat und Asylrecht, der gilt als Rassist. Wer sich für das Wahlprogramm der AfD interessiert, derzeit die Partei mit der mit Abstand größten Affinität zum Grundgesetz und zum Rechtsstaat und inhaltlich nahezu deckungsgleich mit der CDU von 2002, der gilt als Rassist.

Die meisten Menschen, denen man Rassismus unterstellt, haben damit überhaupt nichts zu tun, sondern sie machen sich große Sorgen. Dazu gehört ein sehr großer Teil der assimilierten und integrierten Ausländer in Deutschland, dazu gehören auch zahlreiche jüdische Menschen. Ganz offensichtlich ist den Menschen, die anderen so leichtfertig Rassismus unterstellen, jeder Bewertungsmaßstab verlorengegangen.

Rassistisches Denken setzt ein Menschenbild voraus, bei dem man zwischen Rassen unterscheidet UND die eigene (vermutete) Rasse als höherwertig ansieht, die anderen also als minderwertig. Dieses Denken erreichte im Dritten Reich seinen traurigen und üblen Höhepunkt. Die Anthropologie ist – auch und gerade in Deutschland – längst über diese Ansichten hinweggegangen, die moderne Genforschung hat bewiesen, wie eng die Menschen miteinander verwandt sind, wie ähnlich sie sich sind, vor allem: daß sie natürlich gleichwertig sind.

Das bedeutet nicht, daß alle GLEICH sind. Es gibt schon Unterschiede zwischen den Menschen aus Mainz und Wiesbaden. Diese Unterschiede sind wahrscheinlich alle auf soziale und kulturelle Prägungen zurückzuführen. Menschen aus unwirtlichen Gegenden neigen eher zu Planung und Vorsorge als Menschen aus Ländern, in denen das ganze Jahr reifes Obst herumhängt. Diesen Unterschied kann man schon zwischen Deutschland und Italien deutlich erkennen. Deutlicher wird er zwischen Skandinavien und der Karibik.

Es sind nun solche und andere Unterschiede, die den jeweiligen Fremden zu etwas Interessantem, zu etwas Bereicherndem machen, von dem man sich etwas abschauen und von dem man mancherlei lernen kann. Die Menschen sind verschieden, diese Verschiedenheit kann man auskosten und man kann davon profitieren.

Wie oben erwähnt, geht Rassismus von der Überbewertung des Eigenen und der Geringschätzung des Fremden aus. Der Rassist in diesem Sinne ist ein übler Bursche, aber er ist in seiner Ansicht zumindest unverstellt.

Als wesentlich gefährlicher erachte ich eine Spielart des Rassismus, bei der so getan wird, als sei man eben kein Rassist, obwohl rassistische Grundmuster das Denken und Handeln bestimmen. Dafür gibt es viele Beispiele:

Wenn man jedem, der z. B. korrekt, aber eben auch resolut gegen einen schwarzen Kriminellen vorgeht, Rassismus unterstellt, dann liegt in dieser generell den Schwarzen bevorzugenden Haltung ebenfalls Rassismus, und zwar nicht den Weißen gegenüber, sondern dem Schwarzen (!) gegenüber! Denn diese Haltung drückt Geringschätzung gegenüber diesem Menschen aus: Man hält ihn stereotyp für das Opfer, man traut ihm nicht zu, Täter zu sein, und man spricht ihm die Verantwortlichkeit für sein eigenes kriminelles Handeln ab. Man entmündigt diesen schwarzen Menschen.

Wenn man sich für bestimmte Gruppen, beispielsweise Syrer oder Afrikaner, derart paternalistisch ins Zeug legt, daß man ihnen alle Behördenwege abnimmt, ihnen am besten noch das Essen ins Zimmer trägt und fast noch die Schuhe zubindet, was ist das anderes als die totale Entmündigung und Entmenschlichung dieser Menschen, die nach 2.000 km Reiseweg doch wohl selbst in der Lage sein sollten, die örtlichen Amtsstuben aufzusuchen?

Und ja, wenn man Schimpfwörter für Schwarze aus der eigenen Sprache eliminiert, weil man sich und anderen untersagen möchte, diese Menschen jemals beschimpfen zu können, was soll das anderes sein, als diese Menschen aus der normalen, gängigen, auch im Streit sich bewährenden sozialen Interaktion herauszunehmen und sie unter schützendes Vitrinenglas zu legen, so wie man einst echte Afrikaner in die anthropologischen Sammlungen geholt und dort teilweise ausgestopft ausgestellt hat?

Das sind nur wenige Beispiele für „gut gemeinte“ Handlungsweisen, die eine tief verinnerlichte rassistische Grundhaltung offenbaren. Häufig handeln Menschen in dieser Weise, die sich selbst unter Druck setzen, das Unfaßbare in unserer Geschichte abzusühnen. Sie suchen sich dafür Objekte, die sie mit ihrer zur Schau getragenen Freundschaftlichkeit und Hilfsbereitschaft beglücken können, um sich „im inneren Wert der guten Tat“ selber erhöhen zu können. Und zwar eben auch über ihre Schützlinge, deren organisatorische oder anderweitige Unzulänglichkeit dann im Licht der Selbstbespiegelung ausgekostet werden kann.

Wäre es nicht besser, man würde allen Völkern dieser Welt zugestehen, auch schlechte Taten tun zu können, statt sie in einer Opfer-, Armuts- und Unschuldshaltung zu konservieren, die oft überhaupt nicht den Tatsachen entspricht? Wieso leistet man sich den Rassismus, gegen einwandfreie Statistiken Schwarze und andere von Übeltaten generell freizusprechen, obwohl man es besser wissen kann? Wieso transportieren die Spendenvereine noch immer und höchst eigennützig Klischees ewig traurig dreinblickender schwarzer Kinder, obwohl sich längst herumgesprochen hat, daß sehr viele Menschen in Afrika sehr fröhliche Naturen sind, selbst in materiell sehr prekären Verhältnissen?

Wäre es nicht wertvoller, man würde den Fremden in allen Aspekten seiner Persönlichkeit ehrlich kennenlernen wollen, statt sich ihm anzufreunden, nur weil er schwarz und qua Hautfarbe Daueropfer globaler Ausbeutung und „strukturellen Rasissmus'“, ergo schutzbedürftig, ergo minderwertig ist?

Wann endlich lassen diejenigen, die sich nicht ganz unverschuldet den Spottnamen „Gutmenschen“ zugezogen haben, zu, daß die Menschen, um die es geht, wirklich auf dieselbe Stufe steigen dürfen?

Ich glaube, sie wollen es gar nicht. Und das ist das Miese an dieser Spielart des Rassismus.

Eine Überraschung: Der Clou im Aikido.

Ein Freund von mir kam vor 32 Jahren durch mich zum Aikido. Ich hatte bei der Volkshochschule einen Anfängerkurs belegt und erzählte ihm, was man mit 16 Jahren über die Harmonie von Körper und Seele so von sich zu geben vermag. Er war begeistert und meldete sich an, er erreichte danach hohe Dan-Grade und betreibt heute eine Kampfsportschule. Ich darf wohl denken, daß ich eine Weiche in seinem Leben gestellt habe, und ich glaube, es geht ihm gut damit.

Ich hingegen meldete mich bald darauf ab, weil ich mich der Tanzschule zuwenden wollte. Ich spürte, daß Aikido und überhaupt Kampfsport nichts für mich war, und die Zeit in der Tanzschule Bier in Wiesbaden erfüllte mich wesentlich mehr (ich erreichte dort Goldstar und Formationstanz, während im Aikido für mich schon beim gelben Gürtel Schluß war).

Dieser Freund berichtete mir viel später, daß er in einer Verteidigungssituation nicht Aikido angewandt hat, sondern eine andere Kampfsportart.

Mir erscheint Aikido im Rückblick ungemein artifiziell, wie ein Kampf aus der Retorte. Es gibt verschiedene Techniken, die man miteinander kombinieren kann, um achtzehn standardisierte Arten von Angriffen abzuwehren. Das ist ein Dialog wie aus Frage und Antwort: Angriff und Abwehr, Aktion und Reaktion. Noch heute habe ich den festen, strammen Griff unseres wortkargen Lehrers Klaus in Erinnerung, der wenig von der Harmonie und Viskosität an sich hatte, mit der Aikido meist assoziiert wird. Klaus hatte eine Muskelspannung, die an das Fließverhalten einer nichtnewtonschen Flüssigkeit erinnert. Der zweite Lehrer hieß Ernst, war eloquenter und verkörperte aus meiner Sicht die dort gelehrten Prinzipien authentischer.

Klaus gab allerdings ein verläßliches Beispiel für die schwer erträgliche Arroganz ab, die diese Kampfkunst umstrahlt: Es ist die Kampfkunst der Friedfertigen, der Guten, außerdem der Schlauen, die es vermögen, ihren Gegner mit dessen eigener Kraft auf den Hosenboden zu legen. Das Besondere des Aikido wird auch durch die Klamotten unterstrichen, denn die Lehrer tragen dort schicke schwarze Röcke, die bei den Wurfnummern flott durch die Luft wirbeln. Staunende Gesichter der Kursteilnehmer sind da immer garantiert.

Aikido ist der Kampfsport für Leute, die sonst Feng Shui, Tai Chi, Yoga oder Duftmeditation machen. Diese Leute sind aber für Kampfsport nicht aggressiv genug und sie kommen nicht in Situationen, in denen sie bedroht werden und mit dieser Bedrohung umgehen können. Das Aikido-Theater ist für sie der richtige Weg zu der Gewißheit, etwas für die Sicherheit getan zu haben, und zwar auf ethisch korrekte Weise.

Das bietet kein anderer Kampfsport. Aber es gibt auch nur wenige Kampfsportarten, die so sehr wie Aikido die persönlichen Chancen steigern, in einer Kampfsituation mal so richtig versohlt zu werden. Denn dieser Kampfsport ist für eine echte körperliche Auseinandersetzung nahezu völlig ungeeignet.

Ganz anders sieht es hingegen mit der geistigen Haltung aus, die über diese Kampftanzerei vermittelt wird. Die Persönlichkeit kann nämlich von dem zugrundeliegenden Konzept ganz erheblich profitieren. Dieses Mitgehen, Ausweichen und gleichzeitige Führen, das sich in den Aikido-Techniken niederschlägt, kann einem in vielen Lagen helfen, sei es eine Diskussion, ein Konflikt, wohl auch eine Gefahrensituation, die noch nicht eskaliert ist. Die Aikido-Kampfkunst ist die Veranschaulichung dieses Prinzips, das durch sie begreifbarer wird. Sie ist die Illustration einer Philosophie. Wer dabei nicht ins Schwitzen kommen will, der kann auch die Geschichte vom Reineke Fuchs lesen, die dort vermittelte Philosophie ist der des Aikido recht ähnlich.

Der eigentliche Witz an der Sache ist aber, daß der Erfinder des Aikido alle aufs Kreuz gelegt hat, die auf Kampftechniken aus sind. Seine tiefe Weisheit offenbart sich gerade darin, denen, die es nur mit Hebel- und Wurftechniken verstehen, eine Schule gegeben zu haben, in der die meisten überhaupt nicht verstehen, daß es gar nicht um den Kampf selbst geht. Dort üben sie und üben weiter, aber daß sie sich dadurch mental weiterentwickeln, ist nicht unbedingt garantiert.

Die Gemeinsame Erklärung 2018: Es geht um Selbstverständlichkeiten.

Es ist ein Wesensmerkmal von Erklärungen und Bekenntnissen, diejenigen, die sie unterstützen wollen, zu einem klaren Standpunkt zu zwingen und diesen vor allen anderen öffentlich zu machen. Ihre Unterstützer lassen sich darauf ein, weil sie sich zu der Sache stellen wollen. Man kann sie dafür in einem ordentlichen Diskurs angreifen, man kann mit ihnen diskutieren und sie dadurch womöglich überzeugen, ihre Meinung zu ändern. Dafür sind nicht nur gute Sachargumente nötig, sondern auch eine ebenfalls offen bekennende Haltung, ein Standpunkt.

Wenn es den Kritikern hingegen näher liegt, die Unterstützer pauschal abzuwerten bis hin zu persönlichen Diffamierungen, wenn sie sie samt und sonders ins rechte Eck stellen oder ihnen zumindest Ahnungslosigkeit bis Dummheit unterstellen, dann vor allem aufgrund eines Mangels an ehrlicher Debattenfähigkeit. Denn Thesen und Bekenntnisse ließen sich noch nie durch Angriffe auf den Menschen, der sie vortrug, widerlegen.

Die Gemeinsame Erklärung 2018 konnte gar nicht schlicht genug formuliert werden, sie konnte diesem stereotypen Angriff gar nicht entgehen. Die Ursache hierfür liegt nicht in ihrem für einen Rechtsstaat geradezu banalen Inhalt, sondern in einem gesellschaftlichen Klima, das längst vom kultivierten Diskurs in das Chaos maßlos übertreibender Schreierei abgekippt ist.

Ich bin ein Kind der siebziger Jahre, Mutter Sozialarbeiterin, Vater Grundschulleiter in einem sozialen Brennpunkt, beide haben den Krefelder Appell unterschrieben. Sie nahmen uns Kinder mit zum Demonstrieren gegen die Startbahn West und gegen den NATO-Doppelbeschluß. Ich hatte von früher Kindheit an immer auch ausländische Freunde, habe mich immer für fremde Länder und Kulturen interessiert, den Zivildienst im Rettungswesen abgeleistet, im Krankenhaus und in Altenheimen gearbeitet und mich empathisch für meine Mitmenschen eingesetzt. Ich habe Politikwissenschaft studiert (Prof. Falter) und für eine linke Gruppe im StuPa gesessen.

Irgendwann habe ich den Satz gehört, den 1999 auch Richard von Weizsäckers sagte: „Die Parteien haben sich den Staat zur Beute gemacht“. Inzwischen ist deutlich erkennbar, daß sich Interessengruppen sogar die Parteien zur Beute gemacht haben. Das mag aus ihrer Sicht zweckrational sein, es steht aber im Widerspruch zu der Gesellschaftsordnung, die für Deutschland mit dem ihm gegebenen grundgesetzlichen Rahmen festgeschrieben worden ist.

Die von manchen Kritikern auf wenig differenzierende Weise verteufelte Erklärung hielt und halte ich aus folgenden Gründen für unterstützungswürdig:

Wir müssen den Rechtsstaat erhalten.

Das Recht steht nicht unter der Politik, sondern über ihr. Die Exekutive ist nicht beauftragt, nach Gutsherrenart zu regieren, sondern, die bestehende Rechtsordnung zu schützen. Dieses Prinzip hat Helmut Schmidt dabei geleitet, den Staat für nicht erpreßbar zu erklären. Der Staat darf ebensowenig verführbar sein. Der Wert einer entwickelten Rechtsordnung liegt keineswegs darin, daß jeder seinen Willen bekommt, sondern in einem verläßlichen Rahmen, in dem jedem die Werkzeuge zur Verfügung stehen, nach der Erfüllung seiner eigenen Rechtsauffassung zu streben. Dies ist ein Konsens, der uns überhaupt erst den gesellschaftlichen Frieden gebracht hat. Wenn man die Rechtsordnung abschafft, schafft man diese Spielregeln ab und setzt den Frieden aufs Spiel. Zum Schutz der Rechtsordnung aber gehört insbesondere der Schutz der Grenzen.

Wir müssen den Sozialstaat erhalten.

Der deutsche Sozialstaat ist eine Errungenschaft, die nicht vom Himmel gefallen ist. Er kann nicht bestehen ohne eine gesunde Balance von Einzahlung und Auszahlung. Schon die vergangenen Jahrzehnte haben gezeigt, wie fragil dieses System ist. Weit wichtiger ist jedoch eine eindeutige Definition, wer dazugehört und wer nicht. Das soziale Absicherungssystem einer Gesellschaft bezieht sich logischerweise auf diese Gesellschaft selbst. Für alle anderen, die man unterstützen möchte, gibt es viele Transferleistungen: Entwicklungshilfe, Spendenwesen, Ehrenamt. Das Sozialsystem hingegen wurde von der Gesellschaft errichtet, um alle Teile der Gesellschaft abzusichern. Es kann gar nicht für jeden geöffnet werden, auch wenn er es noch so nötig hat. Man wird auch nicht von einer Gebäudeversicherung, bei der man gar nicht versichert ist, Ersatzleistungen für einen Brandschaden erwarten können. Einen Sozialstaat kann man nur innerhalb eines Rechtsstaats und klarer geographischer Konturen (also eben: Grenzen) erhalten.

Wir müssen das Asylrecht erhalten.

Schutz und Sicherheit für Menschen in Not ist keine lästige Pflicht, sondern eine humanitäre Errungenschaft ersten Ranges, die unter keinen Umständen aufgegeben werden darf. Gerade deswegen ist es notwendig, den Mißbrauch dieses hohen Rechtsguts sofort zu unterbinden. Denn der Schutz der Landesgrenzen bedeutet keineswegs eine Abschaffung des Rechts auf Asyl. Im Gegenteil: Wer die Perspektive auf eine Asylanerkennung hat, wird auch an geschützten Grenzen nicht abgewiesen. Die Aufrechterhaltung der Rechtsordnung im Grenzschutz hat unter anderem den Sinn, die wirklich Schutzsuchenden von denen zu unterscheiden, die nicht unter das Asylrecht fallen. Es spricht nichts dagegen, gegen Asylmißbrauch vorzugehen, wenn und wo er auftritt. Und zwar eben gerade im Interesse tatsächlich Flüchtender.

Wir müssen unsere Lebensweise erhalten.

Es gibt keinen Anspruch darauf, überall willkommen geheißen zu werden, ganz gleich, wie man sich benimmt. Übertriebene und falsche Toleranz lädt zur Fehlinterpretation ein und verursacht damit die „Verwerfungen“, vor denen dieses Land schon jetzt steht. Die Frauenbewegung hat viele Jahrzehnte für die Gleichberechtigung gekämpft. Unsere Gesellschaft ist alles in allem friedlich, nicht aggressiv, introvertiert. Manche sagen: schutzlos. Die Würde des Kindes, der Tierschutz, der Umweltschutz und viele andere Errungenschaften dürfen nicht in Rücksicht auf die religiös begründeten, diametral unterschiedlichen Vorstellungen von Zuwanderern verhandelbar gemacht werden. Die Bewahrung unserer Lebensweise dient gerade auch den zahlreichen assimilierten oder integrierten Mitbürgern mit ausländischen Wurzeln. Sie haben sich nicht dafür jahrzehntelang angestrengt, daß sie nun von denjenigen eingeholt werden, deren Gesellschaftsentwurf sie einst zur Auswanderung veranlaßt hat. Die Integration sehr vieler dieser Menschen war kein Automatismus. Den Einwanderern von heute macht man ein untaugliches und daher verhängnisvoll falsches Angebot, wenn man so tut, als wäre die große, gemeinsame Aufgabe der Integration schon gelöst, wenn man den Deutschen verordnet, ein freundliches Gesicht zu machen. Die immensen Schwierigkeiten, die sich aus gespielter Willkommenskultur und fehlendem Integrationswillen ergeben, können bereits in allen Bundesländern besichtigt werden.

Asyl, Integration, Zusammenwachsen unter Bewahrung aller Fortschritte, die unsere Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten gemacht hat: Sie sind nur denkbar im Rahmen eines gültigen Rechtsrahmens und sicherer Grenzen. Deshalb ist es für mich völlig selbstverständlich, mich mit denen zu solidarisieren, die dafür friedlich demonstrieren.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Vera Lengsfeld.

http://vera-lengsfeld.de/2018/04/16/die-gemeinsame-erklaerung-2018-es-geht-um-selbstverstaendlichkeiten/

Rauchobsidian: In die Erde geweintes Glas?

Wenn Steinlädchen und Esoterik-Kurse „Stille Post“ spielen, wird aus vulkanischem Glas ein mythischer Lebenshelfer. Sogenannte Apachentränen geben die Fähigkeit der Vorausahnung und wandeln Verzagtheit in Lebensfreude. Nicht allen Mineralien wird so viel Aufladung zuteil. Dabei sind es nur Silikate, also sowas wie Sand oder Glas. Entscheidend ist die Herkunft.

In der Edelstein-Esoterik werden Steinen etliche Wirkungen und Wirkweisen nachgesagt, von denen sie nicht einmal selber wissen: Sie wirken günstig auf die Verdauung, lösen Spannungen oder sorgen für besseren Schlaf. Ins Wasser gelegt, teilen sie diesem ihre „Schwingungen“ mit und verschaffen ihm Heilwirkungen. Man soll sie pflegen, die Steine: Ab und zu tut ihnen ein Reset gut – zum Entladen legt man sie zu Hämatit oder spült sie mit warmem Wasser ab, zum Aufladen kommen sie neben Bergkristall oder in die Sonne. Rituale schaffen Überzeugungen.

Der Witz an der Sache: Die Wirkweise ist zwar eine andere (nämlich die psychologische), die beschriebenen Wirkungen jedoch lassen sich feststellen. Denn schon die Zuschreibung kann bewirken, sich auf die gewünschte Heilwirkung einzulassen. Hier also wartet die Lösung, wenn es zwickt oder zwackt, und indem man solche Steine inzwischen aussuchen kann wie Medikamente, öffnet man sich mental dem Heilungserfolg. Dabei kommt den mineralischen Klümpchen eine generell eher unpräzise, schwammige Form der Beipackzettel zugute. Der Stein, er kann, er unterstützt, er hilft und so weiter. Und, nun ja, wenn nicht, dann eben nicht.

Was die als Apachentränen gedealten Rauchobsidiane anlangt, so können die eine ganze Menge: Auf der seelischen Ebene helfen sie beim Erkennen von Gefahren, absorbieren negative Energie, stellen das emotionale Gleichgewicht wieder her, helfen bei Depression und Zukunftsangst, unterstützen bei Trauer und stärken die Intuition. Sie schenken Kraft und Lebensfreude und sorgen für gute Gefühle. Daneben wirken sie auch auf den Körper, indem sie das Immunsystem stärken, das Blut und die Haut verbessern, die Wundheilung fördern, Gifte vermindern und Krämpfe lindern, die Verdauung und die Aufnahme von Vitaminen verbessern.

Allerhand, oder? Nirgends wurde das empirisch festgestellt oder klinisch untersucht. Trotzdem wird es von Shop zu Shop weitererzählt, teilweise auch etwas widersprüchlich, etwa was die Zuordnung zu Sternzeichen oder Chakren anbelangt. Manche behaupteten Wirkungen können sogar unerwünscht sein, wenn man davon gar nichts wußte und den Stein also auch nicht deswegen gekauft hat, so etwa, daß man damit Menschen mehr Liebe entgegenbringen kann (mache ich sowieso) oder weniger lügt (hallo?).

Aber wo kommen diese Zuschreibungen eigentlich her? Manches davon kann auf eine Art Signaturlehre zurückgeführt werden, indem man von den Eigenschaften (Transparenz, Sprödigkeit) und der Verwendung des Steins (Obsidian schon früh für Klingen und Pfeilspitzen, Silikate allgemein für Brillen und Fernrohre) auf seine Wirkungen schließt. Anderes wurde hinzuinterpretiert und hängt mit der Ursprungslegende zusammen: Die Apachen wurden von den Weißen immer weiter zurückgedrängt und ihre Tränen über ihr verlorenes Land erstarrten im Boden zu diesen Stücken. Und das, obwohl doch den Naturvölkern nachgesagt wird, zu ihrem Land gar keinen Besitzbezug zu haben. Und obwohl die Apachen im Krieg eine grausame Seite gezeigt haben, wohl kaum nur aus Verzweiflung.

Aber vielleicht schrieb man den Rauchobsidianen schon vor den langen und blutigen Indianerkriegen solche Wirkungen auf Intuition und Vorahnung zu, denn schon früh setzte sich der Mensch mit den Eigenschaften dieses Werkstoffs auseinander und hämmerte ihn zu Messerchen, Pfeil- und Lanzenspitzen zurecht. Das geht soweit, Obsidian in heutiger Zeit für die Herstellung mikrochirurgischer Skalpelle vorzuschlagen – was jedoch bis jetzt noch nicht geschehen ist.

Faszinierend und eigenartig sind die nahezu kugelrunden Stücke auf jeden Fall. Schwarz und unscheinbar liegen sie da, aber wenn man eines davon gegen das Licht hält, erkennt man darin rauchig braunes Glas, durch welches der Lichtschein fällt. Himmel, wenn das geweint ist, dann gab es eine Menge zu entgiften. Es ist also nur folgerichtig, diese Heilsteine heute zu den wirkmächtigsten zu zählen.

Bei den Rauchobsidianen (und Obsidianen überhaupt) handelt es sich um Klumpen vulkanischer, sehr saurer Lava, die weitgehend frei von Fremdstoffen und sehr schnell erkaltet ist. Deshalb ist das Material nicht kristallisiert. Im Grunde ist es also braunes Glas aus den kochenden Tiefen des Erdinneren, was natürlich auch erklärt, weshalb man diesen Steinen soviel Kraft und Energie zuschreibt.

Recht ähnliche irdische Gläser gibt es auch noch woanders in der Mineralienwelt, nämlich bei den Tektiten. Sie sind ganz anders, aber kaum weniger kraftvoll entstanden, nämlich durch die Energiefreisetzung bei Kometeneinschlägen. Mineralisches Material wurde dabei erhitzt und weggeschleudert. Über dem heutigen Tschechien regnete es Massen davon, die aus dem Nördlinger Ries emporgeschleudert worden waren und heute als „Moldaviten“ höchste Wertschätzung genießen. Ostasiatische Tektiten sind hingegen schwarz. Und Moldaviten werden natürlich längst gefälscht, in China macht man sie aus Altglas.

Der Rauchobsidian vereint vieles in sich: spannende Erdgeschichte mit kräftigen Eruptionen, lange Menschheitsgeschichte mit unerquicklichem Ausgang und ein bißchen Lebenshilfe für die Hosentasche. Nicht zuletzt ist er aber ein sehr hübsches Dekorationsstück für die Wohnung des Achtsamen, der damit negative Energien aus seinem Lebensbereich heraushalten möchte. Sein Geheimnis gibt dieser Stein erst preis, wenn man die Perspektive wechselt. Vielleicht liegt darin sein besonderer Wert, denn er bringt uns dazu, den scheinbar undurchsichtigen Dingen genauer auf den Grund zu gehen.